Rasse · Geschichte · Standard

Die Sibirische Katze
& Neva Masquerade

Herkunft, Geschichte und der offizielle WCF-Rassestandard der ältesten russischen Katzenrasse.

📋 Inhalt
  1. Herkunft & Geschichte
  2. Zuchtgeschichte
  3. Aussehen
  4. WCF-Rassestandard
  5. Die Neva Masquerade
  6. Allergenarm — was steckt dahinter?

Herkunft & Geschichte

Die Sibirische Katze — kurz SIB — ist eine der ältesten und ursprünglichsten Katzenrassen der Welt. Sie ist seit Jahrhunderten in Russland und dem gesamten Territorium der ehemaligen Sowjetunion verbreitet und wurde nicht durch menschliche Zucht geformt, sondern entwickelte sich als natürliche Landrasse.

Zunächst war „Sibirische Katze" (russisch: Sibirskaja koschka) keine offizielle Rassebezeichnung, sondern ein volkstümlicher Begriff für kräftige Katzen mit üppigem, halblanghaarigem Fell. Solche Katzen fanden sich nicht nur in Sibirien, sondern im gesamten russischen Raum — überall dort, wo das Klima ein dichtes Fell begünstigte.

„In Westeuropa waren langhaarige Katzen bis ins 19. Jahrhundert eine Rarität — russische Reisende und Forscher fielen mit ihren pelzigen Begleitern schon früh auf."

Die früheste dokumentierte Erwähnung findet sich in Brehms Tierleben von 1864, wo „eine rote Tobolsker Katze aus Sibirien" beschrieben wird. 1889 widmete Harrison Weir ihr in seinem Buch „Our Cats" ein eigenes Kapitel.

Zuchtgeschichte

Die planmäßige Zucht der Sibirischen Katze begann überraschenderweise nicht in Russland, sondern in der DDR — dank heimkehrender Bauarbeiter aus dem Osten.

1871
Bei der ersten Katzenausstellung im Londoner Kristallpalast werden russische Langhaarkatzen gezeigt — sie gehen jedoch im entstehenden Perser-Genpool auf.
1984
Bauarbeiter der „Druschba-Trasse" bringen die ersten sibirischen Katzen in die DDR — Katzenzüchter werden schnell aufmerksam.
1985
Beginn einer Experimentalzucht in der DDR mit den „Trassenkatzen".
1987
Am 1. Januar wird die Sibirische Katze in der DDR als erste Rasse weltweit offiziell anerkannt. Die erste eingetragene Katze heißt „Wuschel". Gleichzeitig beginnt in St. Petersburg die planmäßige Registrierung.
1991
Der Zusatz „Wald" wird gestrichen — zur besseren Unterscheidung von der Norwegischen Waldkatze.
1992
Die WCF (World Cat Federation) erkennt die Sibirische Katze offiziell als Rasse an.
1998
Auch die FIFe (Fédération Internationale Féline) erkennt die Rasse an.
Heute
Die Sibirische Katze wird weltweit in über 35 Ländern gezüchtet und erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit.

Aussehen & Charakter

Die Sibirische Katze ist eine mittelgroße bis große Katze von kräftiger, muskulöser Statur — kleiner als die Maine Coon, weniger hochbeinig als die Norwegische Waldkatze. Sie strahlt Kraft, Würde und gleichzeitig eine angenehme Wärme aus.

Das Fell

Das dreischichtige Fell ist eines der bemerkenswertesten Merkmale der Rasse: eine dichte, weiche Unterwolle, darüber ein griffiges, wasserabweisendes Deckhaar. Um Hals und Brust bildet sich ein üppiger Kragen. Die Hinterbeine tragen sogenannte „Knickerbocker". Das Sommerfell ist deutlich kürzer und schlichter — der buschige Schwanz behält jedoch auch im Sommer seine Fülle.

Typische Merkmale

Luchspinsel an den Ohrenspitzen, feine Haarbüschel in den Ohrmuscheln und die charakteristischen „Schneeschuhe" — Fellbüschel zwischen den Zehen — machen die Sibirische Katze unverwechselbar. Der Kopf wirkt rundlich, die großen Augen sind leicht schräg gestellt.

Charakter

Siberians sind außergewöhnlich anhänglich und intelligent — oft mit Hunden verglichen in ihrer Treue zum Menschen. Sie folgen ihren Menschen durch die Wohnung, begrüßen Besucher neugierig und sind ausgezeichnete Familienkammeraden. Dabei sind sie kräftig genug für das Abenteuer, aber ruhig genug für die gemütliche Wohnzimmerrunde.

„Sibirische Katzen sind erst mit etwa drei Jahren körperlich vollständig ausgereift — sie bleiben dabei ihr Leben lang verspielt und neugierig."

WCF-Rassestandard

Der WCF-Standard (World Cat Federation) ist der in Russland und Deutschland am weitesten verbreitete Standard für die Sibirische Katze. Er definiert die körperlichen Merkmale die bei Zuchtbeurteilungen und Ausstellungen bewertet werden.

KörperteilBeschreibung
Körper Mittelgroß bis groß, muskulös und schwer. Beine muskulös und mittellang. Pfoten groß, kompakt und rund mit Haarbüscheln zwischen den Zehen. Schwanz reicht bis zum Schulterblatt, läuft leicht spitz zu und ist buschig. Hals kurz und kräftig.
Kopf Kurz und breit mit tief gesetzten, breiten Wangenknochen. Gerundete Schnauze, leicht abgerundetes Kinn. Stirn leicht gewölbt. Nase gleichbreit vom Ansatz bis zum Nasenspiegel. Konturen sanft gerundet, Profil leicht geschwungen.
Ohren Mittelgroß, breit am Ansatz mit leicht gerundeter Spitze. Weit gesetzt und leicht nach vorne geneigt.
Augen Groß, leicht oval, an der Unterseite gerundet, leicht schräg gestellt und weit auseinander stehend. Augenfarbe einheitlich: alle Schattierungen von gelb/gold bis grün erlaubt. Bei Bicolour auch blau oder odd-eyed. Bei Point-Zeichnung (Neva Masquerade): blau, je dunkler desto besser.
Fell Mittellang. Sehr dichte, weiche und feine Unterwolle unter gröberem festem Deckhaar. Das Deckhaar ist wasserabstoßend, griffig und glänzend. Besonders lang an Hals, Brust, Hosen und Schwanz.

Bewertungsschlüssel (WCF)

35
Körper
30
Kopf
25
Felltextur
5
Farbe & Zeichnung
5
Kondition

Erlaubte & nicht erlaubte Farben

Nahezu alle Farben und Muster sind beim Sibirer erlaubt — mit wenigen Ausnahmen:

❌ Chocolate ❌ Cinnamon ❌ Lilac ❌ Fawn ❌ Burma-Abzeichen ❌ Tonkanesen-Abzeichen
✓ Alle Tabby-Muster ✓ Bicolour & Tricolour ✓ Alle Point-Farben (Neva) ✓ Alle Weißanteile ✓ Schwarz, Blau, Rot, Creme...
Quelle: WCF-Rassestandard. Weitere Informationen: wcf-online.de · Historische Hintergrundinformationen basieren auf Wikipedia: Sibirische Katze

Die Neva Masquerade

Die Neva Masquerade — benannt nach dem Fluss Newa in St. Petersburg — ist die Colorpoint-Variante der Sibirischen Katze. Sie trägt das typische Siam-Muster: dunklere Färbung an Gesicht, Ohren, Pfoten und Schwanz, hellerer Körper und tiefblaue Augen.

Genetisch und vom Charakter her ist sie identisch mit der Sibirischen Katze — es handelt sich um dieselbe Rasse. Die WCF führt sie als Farbvarietät, die FIFe hingegen als eigenständige Rasse. In Russland war die Point-Variante von Anfang an Teil des Standards.

„Die Neva Masquerade trägt die sibirische Seele im gefleckten Gewand — mit denselben blauen Augen wie der Fluss, nach dem sie benannt wurde."

Wichtig: Bei der Neva Masquerade müssen beide Augen tief blau sein — je dunkler, desto besser laut WCF-Standard. Odd-eyed (verschiedenfarbige Augen) ist bei der Neva nicht anerkannt.

Allergenarm — was steckt dahinter?

Sibirische Katzen sind bekannt dafür, dass viele Menschen mit Katzenallergie sie gut vertragen. Das liegt am Allergen Fel d 1 — einem Protein das in Katzenspucke, Hautschuppen und Talgdrüsen vorkommt und das Hauptallergen für Menschen ist.

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Sibirische Katzen — insbesondere bestimmte Linien — deutlich weniger Fel d 1 produzieren als andere Rassen. Das macht sie nicht automatisch "hypoallergen", aber für viele Allergiker deutlich verträglicher.

Was das für Sie bedeutet: Wenn Sie oder ein Familienmitglied auf Katzen allergisch reagiert, aber trotzdem eine haben möchten, ist eine Sibirische Katze ein guter Ausgangspunkt. Ein Besuch beim Züchter vor dem Kauf — um die eigene Reaktion zu testen — ist dabei immer empfehlenswert.

„Alle unsere Zuchttiere werden jährlich kardiologisch untersucht (HCM, PKD). Die Stammbäume sind auf Pawpeds einsehbar."

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